Der März in Chile: Rückblick auf die Proteste

Der März beginnt düster: Polizeigewalt, Verhaftungen und immer härtere Straßenkämpfe / Foto: Johannes Hausen

“Se viene marzo!” Der März kommt! – es war eine eindringliche Warnung an die Regierung aus den Reihen der chilenischen Protestbewegung. In den sozialen Medien und auf Straßenplakaten wurde sie immer wieder mit der Ankündigung gewaltiger Demonstrationsmärsche und Protestaktionen verbreitet. 

Nach den Sommerferien sollte es noch einmal so richtig losgehen. Denn eines ist für die Demonstrierenden klar: “Esto no ha terminado” – das hier ist noch nicht zu Ende.

Aus dem Straßenkampf in die Sommerpause und zurück

Zu vage waren die halbgaren Versprechungen von Präsident Sebastián Piñera seit dem Ausbruch der Unruhen Mitte Oktober. Hinten und vorne unzureichend erscheinen die Maßnahmen der Agenda Social, mit denen die Regierung sich “den Bedürfnissen der Bürger” anzunehmen gelobt. Und der Tag des Volksentscheids über eine neue Verfassung  war ja nicht noch einmal gekommen.

Im Februar hatte die Intensität der Straßenproteste tatsächlich etwas abgenommen. Richtig voll wurde es am Plaza Italia a.k.a Plaza de la Dignidad nur noch freitags. Doch auch an den Freitagen sah man weniger Menschen als in den Monaten zuvor. 

Die Sommerferien hatten eben auch viele Demonstrierende genutzt, um eine Pause einzulegen. Die war nach vier Monaten Straßenkampf, wöchentlichen Bürgerversammlungen und immer neuen Enttäuschungen seitens der Politik auch bitter nötig. Außerdem war der März ja nun bereits als Startpunkt der zweiten großen Protestwelle gesetzt.

Anspannung vor dem neuen Schuljahr

Fast alle Chilenos blickten dem Monat nach der Sommerpause dementsprechend gespannt entgegen. Die Schulen und Universitäten würden wieder aufmachen. Tausende Schüler und Studenten, die sich als tragende Säule der Protestbewegung erwiesen hatten, schickten sich an, erneut die Straßen Santiagos zu erobern. 

Gleichzeitig gilt der März in Chile als teuerster Monat. Viele Familien müssen Uniformen, Material und Gebühren für das beginnende Schuljahr bezahlen, auch die Jahressteuern für das Auto fallen an.


In einem Land, in dem zwei Drittel aller Haushalte verschuldet sind, bedeutet das noch mehr finanziellen Druck als ohnehin schon. Die Voraussetzungen für ein erneutes Aufflammen der Unruhen im Land waren also durchaus gegeben.

Doch dann kam alles anders. Es folgt ein kurzer Rückblick auf den Monat, der Chile den Ausnahmezustand vom Ausnahmezustand bringen sollte:

1.März – Piñera ist nicht da

Sebastian Piñera befindet sich auf Dienstreise in Uruguay. Auf einer Mini-Pressekonferenz lässt er verlauten: “Das erste auf der Agenda für März ist die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und das Bekämpfen der Gewalt”. Abgedroschener hätte das Statement nicht klingen können.

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