Der März in Chile: Rückblick auf die Proteste – 9

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11 de marzo Lucha, como secundaria chilena

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Eine Schülerin stellt sich dem Wasserwerfer der Polizei vor dem Regierungssitz La Moneda entgegen.

In der Moneda, wie der Regierungssitz auch genannt wird, hält Piñera eine Ansprache zum zweijährigen Jubiläum. “Eine nie dagewesene Welle der Gewalt” gebe es im Land. 

Das ist wohl richtig, doch es ist auch eine nie dagewesene Welle der Polizeigewalt. Die Attacke auf den 69-Jährigen beschäftigt noch immer das ganze Land. Piñera verliert kein Wort darüber. Stattdessen geht es um Hochrüstung der Carabineros. Neue Finanzspritzen, Einsatzfahrzeuge und Ausrüstung sollen das Gewaltproblem regeln.

Regierung spricht nicht über Polizeigewalt

Wie es um die psychische Verfassung der überforderten Polizisten bestellt ist, wird nicht thematisiert. Dabei sind die seit Monatsbeginn wieder zunehmenden Ausschreitungen mittlerweile nicht mehr nur Ausdruck von sozialer Unzufriedenheit, sondern auch eine Antwort auf die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen durch die Polizei. Diese wiederum werden von der Regierung nach wie vor gedeckt.

Vor dem Palast des Präsidenten toben derweil die Straßenschlachten zwischen Schülern und Polizei:

Mit einer Großoffensive beendet die Polizei schließlich die Ausschreitungen vor der Moneda, die sich dann am Abend Richtung Plaza Italia verlagern. In zahlreichen Städten kommt es zu Ausschreitungen.

12. März – Die Proteste und die Narcos

Johnny Carrasco, Bürgermeister von Pudahuel, sorgt heute für Schlagzeilen. In seinem Bezirk kommt es seit Beginn der Proteste immer wieder zu Angriffen mit Feuerwaffen auf Polizeiwachen.

Angriff auf die Polizeiwache Nr. 55 in Pudahuel im Januar 2020

“Die Drogendealer verteilen Geld, damit die Leute auf die Straße gehen und protestieren. Und ich gehe ein Risiko ein, wenn ich das sage”, erklärt Carrasco bei einem Treffen mit Innenminister Blumel. Eigentlich soll es heute um den Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur in Pudahuel gehen. 

Carrasco fühlt sich von der Regierung mit den Narcos allein gelassen. Gleichzeitig kritisiert er die polizeiliche Repression der Protestbewegung. “Den Drogenhändlern, der [organisierten] Kriminalität kommt es zu Gute, wenn sich die Polizei mit den Demonstrierenden anlegt”.

Carrasco spricht damit das aus, was viele in den letzten Wochen gedacht haben: wenn es wirklich drauf ankommt, ist die Polizei in den Problemvierteln nicht da.

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