Der März in Chile: Rückblick auf die Proteste – 8

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10. März – Das Polizeiopfer wird angeklagt

Das Nationale Institut für Menschenrechte kündigt an, Klage gegen die beiden Polizisten einzureichen. Tatsächlich wird auch das Opfer selbst angezeigt – und zwar von der Stadt Santiago unter Oberbürgermeister Felipe Guevara. Dem 69-Jährigen wird zur Last gelegt, Steine und andere Objekte auf Polizisten geworfen zu haben.

Die Behörden berufen sich dabei auf das im Januar erlassene Ley anti barricadas y saqueos. Das Anti-Barrikaden und -Plünderungsgesetz sieht für das Errichten von Straßensperren und Angriffe auf Polizisten Haftstrafen zwischen 61 Tagen und drei Jahren vor.   

Unterdessen nimmt das Thema Corona in Chile langsam an Fahrt auf. Das Virus ist erstmals an einer Schule aufgetreten – und zwar im Nobelviertel Vitacura, Gemeinde mit dem höchsten Human Development Index des Landes. 

Gesundheitsminister Mañalich erklärt, dass alle Reisenden aus Italien und Spanien ab sofort nach Ankunft in Santiago für zwei Wochen in Quarantäne müssen. Offiziell sind im Land erst 17 Fälle gemeldet, die Rückverfolgbarkeit von Kontaktpersonen ist aber schon jetzt aussichtslos.

11. März – Zwei Jahre Piñera: Molotovs zum Geburtstag

Dass der gestrige Dienstag trotz der brutalen Attacke der Polizei ruhig geblieben ist, liegt wohl daran, dass heute ein besonderer Tag ist: Sebastián Piñera ist genau zwei Jahre im Amt.

Um ihm einen zünftigen Geburtstag zu bereiten, errichten Schüler des Instituto Nacional bereits am frühen Morgen Barrikaden in der Nähe der Schule. Eintreffende Polizeibeamte werden mit Molotovs empfangen. Einige der Beteiligten tragen Masken aus dem Film Joker.

Die Polizei reagiert nicht zimperlich. Sie feuert mit Wasserwerfern direkt in den Schulhof. Es waren die Schüler des Instituto Nacional, die Anfang Oktober die chilenische Revolution ins Rollen brachten – indem sie mit dem kollektiven Schwarzfahren begannen. Mehrere von ihnen werden heute festgenommen. 

Während im ganzen Land Schulen besetzt sind und Straßenkämpfe mit der Polizei toben, bewegt sich in Santiago die Menge gegen Mittag so langsam Richtung Präsidentenpalast. 

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