Der März in Chile: Rückblick auf die Proteste – 6

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Es sind Nachrichten, die die ohnehin schon explosive Märzstimmung weiter anfachen. Bei der ersten Freitagsdemo des Monats geht dann am Abend ein Wasserwerfer der Polizei komplett in Flammen auf:

7. März – Die Ultrarechten schlagen zu

Seitdem die offiziellen Kampagnen für den Volksentscheid angelaufen sind, treten zunehmend auch rechte Gegner einer neuen Verfassung auf der Straße in Erscheinung. Anführer der militanten #Rechazo-Bewegung ist Sebastian Izquierdo, der in seinen YouTube-Videos gerne mal erklärt, “alle umzubringen”, die an den sozialen Protesten teilnehmen. 

Er ist heute mit einigen anderen Ultrarechten in Santiago unterwegs und fackelt nicht lange, Andersdenkende mit seinem Pfefferspray zu attackieren. Auch seine Drohung aus den YouTube-Videos wiederholt er gerne auf offener Straße. Viele seiner Kameraden werden trotz Vermummung beim freundlichen Shakehands mit der Polizei gesehen.

Den ganzen Hass der Rechazo-Bewegung bekommt heute der bekannte Journalist Rafael Cavada in Form von Schlagstöcken zu spüren. Laut Eigenaussage war Cavada privat unterwegs, als er in die heutige Demo gerät und von mehreren Personen angegriffen wird:   

Das Nationale Institut für Menschenrechte (INDH) vermeldet derweil einen weiteren Toten durch Polizeigewalt: Der 48-Jährige Cristián Valdebenito erliegt seinen Verletzungen, nachdem er eine Tränengasgranate ins Gesicht bekommen hat.

8. März – Triumph des Feminismus

Der große Tag der chilenischen Frauenbewegung ist gekommen. Der 8. März wird zwar auch in Chile schon seit Jahren als Internationaler Frauentag mit beeindruckenden Manifestationen gefeiert, doch dieses Jahr ist es durch die soziale Revolte ein besonderer #8M. 

Schon Tage vorher rufen die Frauen in sozialen Netzwerken die Männer dazu auf, an diesem Tag zuhause zu bleiben. Auch wenn diese Forderung selbst in feministischen Kreisen kontrovers diskutiert werden, sind an diesem Sonntag sehr wenige Männer am Plaza Italia zu sehen.

Hunderttausende Frauen sorgen dagegen für eine der größten Demonstrationen seit Ausbruch der Unruhen. Und es ist auch die mit Abstand friedlichste, die Santiago in den letzten fünf Monaten gesehen hat – was wohl auch daran liegt, dass sich die Polizei an diesem Tag deutlich zurückhält.

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