Der März in Chile: Rückblick auf die Proteste – 4

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Frauenministerin Isabel Plá muss sich an diesem 3. März in einer parlamentarischen Anfrage im Kongress verantworten. Der Vorwurf: Sie habe sich nicht für die Rechte der Frauen eingesetzt, die seit dem 18. Oktober im Rahmen der Unruhen festgenommen wurden.

Einige der festgenommen Demonstrantinnen hatten sexuelle Übergriffen durch Polizisten erlitten. “Dein Schweigen macht dich zur Komplizin”, wurde Plá schon seit Wochen aus feministischen Kreisen vorgeworfen.

Verschiedene feministische Gruppen demonstrieren vor dem Kongress in Valparaiso gegen Frauenministerin Plá

“Die Regierung verletzt keine Menschenrechte”.

Vertreterinnen verschiedener Organisationen stimmten in der öffentlichen Anhörung die feministische Hymne gegen sexualisierte staatliche Gewalt “Ein Vergewaltiger auf deinem Weg an”, worauf die Sitzung kurzzeitig unterbrochen wird.

Auch vor dem Kongressgebäude in Valparaíso protestierten mehrere feministische Gruppen gegen die Ministerin, die während der Anhörung behauptete: “Die Regierung von Sebastián Piñera verletzt keine Menschenrechte”.

Chile auf der Berlinale

Die chilenische Regisseurin Dominga Sotomayor nutzt an diesem Tag das Forum der Berlinale, um auf die Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land hinzuweisen: “Wir fordern Würde und werden eindringlich und ohne Angst weiter kämpfen.”

In mehreren Großstädten versucht man derweil, die Schüler daran zu hindern, sich auf den Straßen für weitere Proteste zu versammeln – erfolglos: 

4. März – Kaum Untersuchungshaft für Vermummte

Beide chilenische Kammern beschließen an diesem Mittwoch die Geschlechterparität für die verfassungsgebende Versammlung; sollte denn beim Volksentscheid für eine neue Verfassung gestimmt werden. 

Innenminister Gonzalo Blumel verkündet, dass im März bereits 62 Personen festgenommen wurden, die man zur primera linea zähle. 44 werden wegen Störung der öffentlichen Ordnung angeklagt, 16 von ihnen sind minderjährig. Bis auf eine Person muss niemand von ihnen in Untersuchungshaft.

Allein zwischen Oktober und Dezember waren über 4.000 Minderjährige im Rahmen der Proteste verhaftet worden. Knapp 200 saßen teils bis zu vier Monate in U-Haft, wie u.a. der Guardian berichtet

Die chilenischen Mainstream-Medien interessieren sich dagegen vor allem für die Nationalität der Verhafteten: So befinden sich neben Chilenen anscheinend vereinzelt auch Peruaner, Kolumbianer und Ecuadorianer in der primera linea. 

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