Chronologie der “Evasión masiva” – Die Geburtswehen der chilenischen Revolte

Über einem Metroeingang in Santiago steht der Schriftzug: "EVADE" - "FAHRE SCHWARZ"
Die chilenische Revolte begann in den Metrostationen der Hauptstadt Santiago / Foto: Diego Correa, CC BY 2.0

“Evadir, no pagar, otra forma de luchar!” – die schmissige Parole der chilenischen Schülerschaft schallte Tage lang energisch durch die U-Bahnhöfe Santiagos. Hunderte Siebt- bis Zwölftklässler hatten eine Metrostation nach der anderen gestürmt, besetzt und ordentlich Lärm gemacht, bis ihre Proteste schließlich am 18. Oktober 2019 das ganze Land mit sich rissen.

Das Datum gilt gemeinhin als Startpunkt der bis heute andauernden sozialen Unruhen, die Chile für immer verändern. Auf einmal kämpfen Menschen aus allen Schichten trotz höchst unterschiedlicher Identitäten gemeinsam auf der Straße gegen das System. Dieses Aufbegehren hätte es ohne die vorangegangenen Aktionen der Schülerinnen und Schüler aber womöglich nie gegeben.

Schwarzfahren als sozialer Protest

“Schwarzfahren, nicht bezahlen, eine andere Art zu kämpfen!”, könnte man ihren Slogan des zivilen Ungehorsams übersetzen. Schon seit Jahren hört man ihn immer wieder, wenn vor allem junge Menschen gegen Preiserhöhungen oder den als schlecht empfundenen Service des öffentlichen Nahverkehrs in Santiago protestieren.

Doch dieses Mal ging es um mehr als gestiegene Transportkosten. Die Fahrpreiserhöhung um gerade einmal 30 Pesos (4 Eurocent) sollte Millionen von Menschen die Augen öffnen – und Chile in die schwerste politische Krise seit der Militärdiktatur stürzen.

Aber der Reihe nach:

Am Freitag, den 4. Oktober, verkündet das Expertenpanel der Metro die neuen Fahrpreise. Die Schüler des renommierten Instituto Nacional (IN) reagieren als erste. Noch am selben Wochenende verabreden sie sich auf ihrem Instagram-Kanal zum Protest. Wo sonst Memes gepostet werden, erscheinen nun Aufrufe zum kollektiven Schwarzfahren.

7. Oktober: “Wer früher aufsteht, profitiert von einem günstigeren Tarif”

Es ist Montag, seit Mitternacht gelten die neuen Fahrpreise. Die Institutanos, wie sich die Schüler des reinen Jungengymnasiums nennen, fackeln nicht lange. Anti-Systemdenken hat am Instituto Nacional eine gewisse Tradition.

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