Chronologie der “Evasión masiva” – Die Geburtswehen der chilenischen Revolte (9)

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Hochbrisant verläuft der Tag an der Station Los Heroes unweit des Präsidentenpalastes. Hier verfolgen Carabineros die Schüler bis in die Wagons der Metro. Sogar Tele 13, nicht unbedingt als regierungskritischer Sender bekannt, berichtet am Abend von einer “hohen Gewalt durch die Sondereinsatzkräfte”. 

Beim Tränengaseinsatz in den Stationen sei weder auf Kinder noch ältere Passagiere Rücksicht genommen worden. Teilweise sind die Reizstoffe ins Innere der Metrozüge gelangt:

Dutzende Schüler werden heute verhaftet. Die Situationen ist an vielen Stationen zunehmend unübersichtlich. Die Polizei geht teilweise mit Hunden gegen die Demonstrierenden vor.

An der Station San Joaquin, wo diverse Universitäten angesiedelt sind, erreicht die gezielte Demolierung der Stationen derweil einen neuen Höhepunkt.

Es sind Ausschreitungen wie diese, die nun auch kritische Stimmen gegenüber den Schüler unter den anderen Fahrgästen laut werden lassen. Einzelne Fahrgäste stellen sich den Schwarzfahrern entgegen, wie diese Dame an der Station Salvador:

Staatssekretär Ubilla unternimmt dann am Abend einen weiteren Versuch, die Proteste zu kriminalisieren: “Es sind wahrhaftige Banden, die die Sicherheit der Bürger angreifen. Gewalttätige und Kriminelle.” 

Zu diesem Zeitpunkt ist bereits klar: In Chile ist etwas Größeres im Gang. Erstmals bilden sich am Abend auch spontane Demonstrationen außerhalb der Metrostationen. Längst sind nicht mehr nur die Schüler im Zentrum aktiv, auch die arme Bevölkerung in den südlichen Arbeitervierteln Santiagos beginnt sich jetzt auf der Straße zu manifestieren. 

Die Bürgerinnen und Bürger Chiles haben sich erhoben und schmetteren am Vorabend des 18. Oktober ihr liebstes Protestlied:

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