Chronologie der “Evasión masiva” – Die Geburtswehen der chilenischen Revolte (8)

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Bereits am Nachmittag hatte Verkehrsministerin Gloria Hutt das berüchtigte “Ley de seguridad del estado” ins Spiel gebracht. Das Gesetz zur Sicherheit des Staates war vor allem von Diktator Pinochet eingesetzt worden, um Straftaten gegen die öffentliche Ordnung und entsprechende Sanktionen im Sinne des Militärregimes zu definieren.

Zwar wurden seit Chiles Transition zur Demokratie die Änderungen des Gesetzes durch Pinochet wieder rückgängig gemacht – für viele Chilenen ist es aber noch immer der Inbegriff staatlicher Repression. Laut Hutt erwägt Innenminister Chadwick nun, es gegen die Schüler einzusetzen.

Als wolle die Verkehrsministerin sicher gehen, wirklich alle Register gezogen zu haben, spricht Hutt noch eine weitere verzweifelte Drohung an die Schüler aus: Allen Schwarzfahrern könne das Schülerticket entzogen werden. Außerdem werde man verstärkt auf Videoüberwachung an den Stationen setzen.

17. Oktober: Offener Kampf zwischen Schülern und Polizei

Stets realitätsfern, zunächst spöttisch, dann drohend, doch niemals auf Augenhöhe – man könnte meinen, auf Seiten von Politik und Behörden wäre bei diesen Protesten bereits in alle Fettnäpfchen getreten worden. 

Da meldet sich der Präsident des Expertenpanels zu Wort, welches die Preiserhöhung am 4. Oktober verkündet hatte. “Wenn das Brot oder die Tomaten teurer werden, gibt es doch auch keine Proteste”, lässt er in der Zeitung La Tercera verlauten.

Eine provokative Äußerung mehr, die die Stimmung an den Bahngleisen weiter anheizt. 

Beistand bekommen die Schüler heute von den Angestellten der Metro. Aus den Reihen ihrer Gewerkschaft heißt es: “Wir sind keine Feinde der Schüler. Wir unterstützen die Legitimität ihrer Forderungen absolut.” 

“Die Regierung antwortet ausschließlich mit Repression”

Sie fordern, die Polizisten aus den Stationen abzuziehen. “Die Regierung antwortet ausschließlich mit Repression. Wir sind mit der Militarisierung, die die Metro erfährt, nicht einverstanden”, so Gewerkschaftsführer Campos.

Tatsächlich sind an vielen Stationen mittlerweile fast nur noch hochgerüstete Sondereinsatzkräfte der Carabineros de Chile unterwegs. Es kommt zunehmend zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Schülern:

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