Chronologie der “Evasión masiva” – Die Geburtswehen der chilenischen Revolte (5)

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Alessandri erklärte: “Ich habe immer für das Vorgehen der Carabineros gebürgt. Und ich hätte gerne mehr Verhaftungen gesehen, wir wollen die faulen Äpfel aussortieren.” Vom Lehrerverband Colegio de Profesores bekam der Bürgermeister damals heftige Kritik für seine Unterstützung des repressiven Vorgehens der Polizei.

Genützt hat sie wenig: Auch heute, einen Tag nach der brennenden Jacke, statten die Carabineros de Chile dem Instituto Nacional einen äußerst rabiaten Hausbesuch ab. Mehrere minderjährige Schüler werden verhaftet.

11. Oktober: “Das hier ist keine Regierung, es sind nur Gesetze von Pinochet.”

Es ist soweit: Die Medien werden an diesem Freitag erstmals über die Evasión masiva berichten. Eine Menge von über 100 Schwarzfahrern rennt heute einmal quer durch die Innenstadt.

Denn die Polizei hat die beiden nächstgelegenen Stationen am Instituto Nacional vorübergehend gesperrt. Doch die Schüler lassen sich nicht entmutigen und sprinten bis ins Viertel Bellas Artes, wo sie erfolgreich eine Station stürmen. 

Auf dem Weg skandieren sie: “Que lo vengan a ver, esto no es un gobierno, son puras leyes de Pinochet” – “Kommt her und seht, das hier ist keine Regierung, es sind nur Gesetze von Pinochet.”

Selbstverständlich wird auch diese Aktion auf Instagram dokumentiert und abgefeiert. Am Ende des Videos findet sich ein Meme von Bürgermeister Alessandri als Verlierer des Spiels.

Die Carabineros de Chile testen derweil ihre neuen Drohnen. “Kriminelle auf große Distanz identifizieren, um sie festzunehmen und der Justiz zu überführen”, ist das Ziel. Schon wenige Tage später sollten die neuen Späher der Polizei erstmals über dem Plaza Italia kreisen – und dort monatelang bleiben.

14. Oktober: Die Ausschreitungen beginnen 

Das Wochenende des 12./13. Oktobers verläuft ohne Schwarzfahr-Aktionen. Bisher handelt es sich nämlich noch immer fast ausschließlich um einen Protest der Schüler – und die sind am Samstag und Sonntag größtenteils nicht in der Stadt unterwegs.
Der anschließende Montag wird dafür umso intensiver.

Bereits gegen Mittag legen rund 300 Schülerinnen des Liceo 7 die Station Pedro de Valdivia lahm. Erstmals haben sich die Aktionen nun aus dem Stadtzentrum in andere Viertel verlagert. Das Instituto Nacional ist mittlerweile nur noch eine von vielen Schulen, die an den Protesten teilnimmt.

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