Chronologie der “Evasión masiva” – Die Geburtswehen der chilenischen Revolte (3)

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Von CNN Chile auf die neuen Metropreise angesprochen erklärt er: “Wer früher aufsteht, profitiert von einem günstigeren Tarif.”

Ein Affront gegen die Arbeiter aus Santiagos Vorstädten, die in vielen Fällen bis zu zwei Stunden mit dem ÖPNV unterwegs sind, bis sie zur Arbeit gelangen. Fontaines Bemerkung trifft exakt den Tonfall, mit dem die politische Elite des Landes in den nächsten Tagen die Proteste ordentlich anheizen wird: Empathielos und realitätsfern, die Lebenssituation der Bevölkerung auf’s Gröbste verkennend.

Es sollte eines von Fontaines letzten Statements gewesen sein. Als drei Wochen später das halbe Land brennt, scheidet er als Bauernopfer aus dem Kabinett.

8. Oktober: “Mit der Metro kommen die Kriminellen”

Am folgenden Tag wiederholen die Schüler des IN ihre Aktion. Sie rufen andere Schulen im Zentrum auf, sich den Protesten anzuschließen. Das Liceo Javiera Carrera, eine reine Mädchenschule, ist als eine der ersten mit dabei. Die Aufrufe werden heute erstmals auch außerhalb der Schülerschaft geteilt

Am selben Tag wird aber auch ein Metro-Protest der anderen Art geplant. Im Reichenviertel Las Condes wollen Anwohner gegen die Eröffnung einer neuen Station im Parque Araucano demonstrieren. “Mit der Metro kommen die Kriminellen”, argumentieren sie. 

Tatsächlich kommen mit der Metro aber vor allem die zahlreichen Pförtnerinnen, Haushälter und Arbeiterinnen, die den Lebensstandard der Oberschicht in Las Condes aufrechterhalten. Die neue Linie 7 wird einigen von ihnen zumindest einen kürzeren Arbeitsweg bescheren. Doch diese Verbesserung des Allgemeinwohls interessiert in einer klassistischen Gesellschaft wie der chilenischen nicht jeden.

9. Oktober: Zündstoff am Instituto Nacional

Mittlerweile hat die Polizei von den Schwarzfahr-Aktionen an der Station “Universidad de Chile” bekommen. Man schickt einige Beamte, doch die Schüler des IN machen munter weiter:

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EVASIÓN MASIVA JM. DÍA 3 @v_ch0

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Was ist das Instituto Nacional eigentlich für eine Schule? Bekannt ist das IN vor allem als prestigeträchtigste staatliche Bildungseinrichtung des Landes. Das Institut existiert bereits länger als die chilenische Republik selbst und hat mehrere Ex-Präsidenten hervorgebracht, darunter Salvador Allende.

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