Chile führt Corona-Ausweis ein

Das digitale COVID-19-Zertifikat enthält auch einen QR-Code
Der Carnet COVID-19 wird in digitaler Form ausgestellt, soll aber auch auf analoge Art und Weise erhältlich sein. / Foto: Screen YouTube

Chile stellt als erstes Land der Welt einen Corona-Ausweis aus. Schon ab kommenden Montag können genesene COVID-19-Patienten den sogenannten Carnet COVID19 beantragen. Inhaber des Ausweises “bleiben von jeglicher Quarantäne oder Restriktion befreit”, verspricht die Regierung.

Das umstrittene Dokument wird dabei vorerst wohl nur einer beschränkten Anzahl an Personen ausgehändigt werden. Infrage kommen sollen nämlich ausschließlich Patienten, die während des Krankheitsverlaufs respiratorische Symptome gezeigt haben. Ist dies der Fall, wird mittels der PCR-Methode überprüft, ob eine Infektion mit Sars-CoV-2 vorliegt.

Wer gilt als immun?

Der nächste Schritt ist dann ein Test auf Antikörper, genauer gesagt die Immunglobuline G. Diese würden sich ab dem siebten Tag nach einer Infektion bilden, erklärte Gesundheitsminister Jaime Mañalich auf einer Pressekonferenz heute Vormittag. Verläuft auch dieser Test positiv, und zeigt der Patient für mindestens 14 Tage keine Symptome mehr, gibt es den Ausweis. Er soll vor allem als digitale Version verwendet, aber auch in analoger Form genutzt werden können.

Mit dem Carnet COVID könnten sich dann Personen ausweisen, die mit “allerhöchster Wahrscheinlichkeit” gegen Neuinfektionen immun seien. “Sie können die Krankheit auch nicht an andere weitergeben”, so Mañalich. Dass dies bei einzelnen Patienten in sehr seltenen Ausnahmefällen auch anders aussehen könne, wollte der Minister dabei nicht ausschließen.

Chilenische wie internationale Experten kritisieren das Ausstellen eines solchen Coronapasses deshalb scharf. Der chilenische Verband der Immunologen hatte erst vorgestern in einem Statement gewarnt, es sei noch zu früh, die Annahmen Mañalichs auf eine fundierte wissenschaftliche Basis zu stellen. 

Wissenschaftliche Bedenken: “Eine enorme Dummheit”

Die Entwicklung von Antikörpern verlaufe von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Auch die WHO gibt sich zurückhaltend, was die Immunität von Genesenen angeht. Der Fall aus  Südkorea, wo 91 Patienten möglicherweise neuerkrankt sind, wird von der Weltgesundheitsorganisation derzeit noch untersucht. 

Der italienische Virologe Andrea Crisanti nannte mögliche Immunitätsausweise, wie sie von Regierungen weltweit in Erwägung gezogen werden, gar eine “enorme Dummheit”. Viele andere Mediziner, auch in Deutschland, gehen aber von ähnlichen Annahmen wie Mañalich aus. 

Unsicherheit besteht vor allem hinsichtlich der Dauer der angenommenen Immunität. Hier schwanken Schätzungen von wenigen Monaten bis mehreren Jahren. Chiles Gesundheitsminister brachte heute den Zeitraum von “mindestens einem Jahr” ins Spiel.

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