Chile führt Corona-Ausweis ein – 2

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Allein ist Mañalich mit seiner Strategie nicht. Er prescht nur weitaus früher vor als andere. In Deutschland arbeiten laut Spiegel mehrere wissenschaftliche Institute unter Führung von Epidemiologe Gérard Krause an einer Antikörperstudie. 

“Den Immunen könnte man eine Art Impfpass ausstellen, der es ihnen zum Beispiel erlaubt, von Einschränkungen ihrer Tätigkeit ausgenommen zu werden”, wird Krause zitiert. Allerdings gebe es erst in einigen Monaten verlässliche Testverfahren.

Mehr Tote durch Anti-Corona-Maßnahmen als durch das Virus selbst?

In der italienischen Region Venetien haben die Antikörpertests dagegen schon begonnen. Auch hier sei das finale Ziel, eine “Lizenz” für Personen mit bestätigter Immunität ausstellen zu können, so Venetiens Gouverneur Luca Zaia gegenüber Reuters. Über den geeigneten Zeitpunkt dafür wird er sich mit dem bereits erwähnten Andrea Crisanti einigen müssen. Er ist in Venetien von medizinischer Seite für die Tests verantwortlich.

Doch letztendlich bleibt die Entscheidung eine politische. Der Tatsache, dass Corona-Ausweise nicht unbedingt in allen Einzelfällen der Eindämmung des Virus dienlich sind, steht die gesamtgesellschaftliche Betrachtung gegenüber.   

Gérard Krause teilte vor Kurzem im ZDF die Befürchtung mit, Anti-Corona-Maßnahmen “könnten möglicherweise mehr Krankheits- und Todesfälle erzeugen als das Coronavirus selbst.” Er sage das, “obwohl” sein Schwerpunkt Infektionskrankheiten seien.  

Chiles Gesundheitsminister Mañalich umschiffte das ethische Dilemma und ging lediglich am Rande auf Pro und Contra der neuen Maßnahme ein. Auch eine detaillierte Begründung für die Entscheidung ließ er vermissen. Stattdessen beschränkte er sich auf’s Verkünden. 

Schon seit Längerem wird Mañalichs Auftreten mit dem von Präsident Sebastián Pinera verglichen. “Macht ohne Gegengewicht” attestierte El Mostrador dem selten empathischen 65-Jährigen zuletzt in Hinblick auf seine Rolle in der Regierung. Er sehe die Coronakrise als Herausforderung seines Lebens.

Der Carnet COVID sei eine Entscheidung zugunsten der “allgemeinen Gesundheit”, erklärte Mañalich heute. Daran muss er sich in den kommenden Monaten messen lassen. 

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