Bewegungsdaten: Viele Chilenos auch ohne staatliche Verordnung Corona-bewusst

Personenkontrolle durch die Carabineros am Plaza Italia.
Personenkontrolle nahe das Plaza Italia am 19. März. Die Carabineros dürfen seit heute aufgrund des Katastrophennotstands vermehr Identitätskontrollen durchführen. Dass sie das vor allem am zentralen Platz der Proteste tun, ist nicht überraschend / Foto: Johannes Hausen

Viele Chilenen haben ihre Bewegungsfreiheit zu Beginn der Coronakrise freiwillig eingeschränkt. Dies legen zumindest von Google veröffentlichte Standortdaten nahe. Laut diesen nahm die Bewegung in zentralen Bereichen des öffentlichen Lebens bereits vor den ersten behördlichen Ausgangsverboten Ende März deutlich ab.

Die Statistiken, die unter dem Titel COVID-19 Community Mobility Reports für 131 Länder veröffentlicht wurden, erfassen den Zeitraum vom 23. Februar bis 5. April. Und sie zeigen für Chile ab dem 15. März einen deutlichen Abwärtstrend: Weniger Restaurantbesuche, kürzere Einkäufe, kaum noch Parkbesuche und Halbierung der Fahrten im ÖPNV innerhalb weniger Tage.

Die Daten aus dem COVID-19 Community Mobility Report für Chile

Letzteres ist zum Teil auf die Suspendierung des Unterrichts an Schulen und Universitäten zurückzuführen. Diese hatte die Regierung am Abend des 15. März verkündet. Ansonsten bestand zu dieser im ganzen Land lediglich ein Ausgehverbot für die mehreren Hundert Einwohner von Caleta Tortel. In das abgeschiedene Fischerdorf hatte ein Kreuzfahrtschiff das Coronavirus eingeschleppt.

Was muss man zu den Daten wissen?

Google nutzte die anonymisierten Daten aller chilenischen Android-Nutzer, die in der App Google Maps den “Standortverlauf” aktiviert haben. Diese Funktion erlaubt es, über das Auslesen von IP-Adresse und GPS-Daten eines Smartphones den Standort und die dortige Verweildauer seines Besitzers zu registrieren.

85% aller Smartphone-Nutzer in Chile verwenden Android. Da nur 60% der chilenischen  Bevölkerung ein Smartphone besitzen, sind die Daten nicht repräsentativ. Auch weiß man nicht, wie viele der Android-Nutzer die Funktion des Standortverlaufs aktiviert haben. (Standardmäßig ist sie nicht aktiviert. Viele verwenden die Funktion aber trotzdem. Ob sie Funktion bei euch eingeschaltet ist, könnt ihr hier nachgucken.)

Trotzdem geben die Statistiken einen Hinweis darauf, wie die Menschen in Chile auf die sich anbahnende Coronakrise reagierten. Zwischen dem 15. und 18. März sinkt zum Beispiel die Anzahl von Besuchen in Restaurants und Shoppingcentern um über 50 Prozent – verglichen mit den Durchschnittszahlen des Januar, die im Diagramm als Baseline angegeben sind.

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