Bewegungsdaten: Viele Chilenos auch ohne staatliche Verordnung Corona-bewusst – 2

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Es sind die Tage, in denen große Einkaufszentren in der Kritik stehen, da sie noch immer geöffnet haben. Zahlreiche Verkäufer und Angestellte protestieren immer vehementer, dass ihre Arbeitgeber weiterhin von ihnen verlangen, sich großen Menschenmengen auszusetzen.

Allen voran in der größten Mall Südamerikas, dem Costanera Center, kommt es zu Protestaktionen:


Als dann am 18. März alle Einkaufszentren in Chile geschlossen werden, sind die Besucherzahlen bereits deutlich eingebrochen. Auch die Parks verlieren innerhalb einer Woche 70% an Besuchern. 

Der Parque Forestal scheint wie ausgestorben. Er grenzt an den zentralen Platz der Protest, den Plaza Italia a.k.a. Plaza de la Dignidad. Normalerweise sind hier zahlreiche Demonstrierende unterwegs.

Am 19. März ist es so leer, dass Reinigungskräfte unbehelligt die ersten ACAB-Graffitis von den Statuen entfernen. Sogar verschiedene Gruppierungen der primera linea haben ihre Mitstreiter bereits dazu aufgerufen, aufgrund des Coronavirus zuhause zu bleiben. 

Leere Straßen ohne Ausgangssperre

Dabei gibt es noch immer keine staatlich verordnete Quarantäne. In der Nacht auf den 19. März hatte der von Piñera ausgerufene Katastrophennotstand begonnen. Er bringt eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr mit sich. Doch die Straßen in Santiagos Zentrum sind schon jetzt auch tagsüber deutlich leerer als gewöhnlich.

Deutlich sinkende Frequentierung von ÖPNV-Haltestellen ab dem 15. März. Auch die Aufenthalte am Arbeitsplatz nehmen ab, wenn auch nicht ganz so drastisch. Während viele Büroangestellte bereits im Home Office arbeiten können, bleibt den zahlreichen chilenischen Arbeitern nur der Gang auf die Straße.

Und auch das spiegelt sich in den Google-Statistiken wieder: Rund 20 Prozent mehr Frequentierung der Wohnviertel ist in den Tagen nach dem 15. März zu verzeichnen. Erstmalige Ausgangssperren in Santiago, wo mehr als ein Drittel der 17,5 Millionen Chilenen lebt, gab es dagegen erstmals am 25. März.

Dass einige Bewohner aus den reichen Vierteln Santiagos sich zu diesem Zeitpunkt über den common sense der freiwilligen Quarantäne hinwegsetzen und so das Virus im Land verbreiten, habe ich hier beschrieben.

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